Neun Monate später (Teil 2)

Alles läuft glatt, bis zu dem Moment, in dem ich in Edinburgh meinen Koffer vom Band holen will. Er ist nicht angekommen. Fluchend gehe ich zum Ausgang. Das Gepäckstück wird vielleicht wieder auftauchen, doch ich kann es nicht ins Hotel liefern lassen, denn ich weiß nicht, in welchem ich wohnen werde. Wenigstens steht meine Heimatadresse auf dem Kofferschild. Mit etwas Glück wird man mir den Koffer zurück nach New York schicken. Was mir hier nicht das Geringste nützt. Ich muss mir dringend neue Klamotten besorgen. Zum Glück besitze ich meine Waffen noch. Ich musste sie vor dem Start in einem Spezialkoffer an die Crew übergeben und bekam diesen nach der Landung wieder ausgehändigt. Auch meine Kreditkarten und das Bargeld habe ich bei mir. Sie befinden sich in einer verschlossenen Innentasche meines Mantels. Und die wichtigste technische Spielerei trage ich am Handgelenk. Für andere sieht sie aus wie eine Armbanduhr, aber es ist ein ausgeklügeltes Warnsystem. Während des Flugs war es ausgeschaltet, doch nun aktiviere ich es. Sobald mir ein schwarzmagisches Fabelwesen oder jemand mit dunkler Magie zu nahe kommt, wird es zur Warnung vibrieren. 

In der Ankunftshalle folge ich dem Wegweiser zum Taxistand. Mein Kontakt wird mich erst am verabredeten Ort in Edinburgh treffen und mir den Namen des reservierten Hotels nennen. Das ist das übliche Prozedere, um zu vermeiden, dass jemand von meinem Aufenthaltsort erfährt, bevor ich dort ankomme. Edinburgh ist nicht nur die Stadt, in der Val auf der Lauer liegt, sondern auch die Heimat diverser Ghuls, Goblins und anderer Dämonen. Und die reagieren von jeher eher unentspannt auf die Ankunft einer Jägerin.
Jemand rempelt mich an, hebt entschuldigend die Hände und rennt weiter zu den Check-in-Schaltern. Bevor ich das Flughafengebäude verlasse, verschwinde ich auf die Toilette, nehme die Waffen aus dem Koffer und verstaue sie. Ich lege das Schulterhalfter um und schiebe die Pistole der Jäger hinein. Die Ersatzwaffe stecke ich in ein Knöchelhalfter, das geweihte silberne Messer verschwindet ebenfalls in seiner Halterung am anderen Knöchel. Ich benutze es nicht gerne, denn das impliziert, dass ich mich dem Gegner nähern muss, aber es ist trotzdem besser, eines dabeizuhaben. Sowohl das Etui mit der Dietrichauswahl als auch die silbernen und hölzernen Essstäbchen, die sich leicht in Waffen verwandeln lassen, stecke ich in eine der Innentaschen des Mantels und verschließe sie. Die technischen Spielereien, die das integrierte Warnsystem meiner Armbanduhr ergänzen, verschwinden in einer anderen. Nun ist der Spezialkoffer leer. Ich lasse ihn auf der Toilette zurück. So habe ich die Hände frei, falls ich angegriffen werde.

Wenig später steige ich auf Edinburghs High Street am verabredeten Punkt aus dem Taxi, doch von dem fliegenden Händler, der dort auf mich warten und mir den Hotelnamen verraten soll, fehlt jede Spur. Obwohl ich mir sicher bin, dass ich mich nicht geirrt habe, überquere ich die Straße, um auf der anderen Seite nachzusehen, und zucke zusammen, als keine Handbreit von mir entfernt ein Auto zum Stehen kommt. Verdammt! Ich habe vergessen, dass hier Linksverkehr herrscht. Der Fahrer, ein fetter rotgesichtiger Mann brüllt mich aus dem geöffneten Fenster an: »Du hast wohl den Verstand verloren! Los, verschwinde von der Straße!«
Ich überlege kurz, ob er eine Erwiderung wert ist, und trete zurück auf den Bürgersteig.
»Alles klar bei dir?« Eine Frau mit roten Locken mustert mich aufmerksam.
Ich nicke und betrachte sie meinerseits. Sie hat ein hübsches, rundes Gesicht, das von unzähligen Sommersprossen verziert wird, das, was man eine Sanduhrfigur nennt, und ist etwa in meinem Alter. Mein Kontakt? War die Beschreibung vielleicht nicht richtig?
»Der Wievielte ist heute?«, stelle ich die vereinbarte Frage.
Die Fremde starrt mich verblüfft an. »Meinst du das ernst?«
»Ja.« Sie ist definitiv nicht mein Kontakt. Eigentlich ist es mir von Anfang an klar gewesen.
 »Du bist ganz schön verwirrt, was?«, erwidert sie. »Heute ist der dreißigste April. Ich heiße übrigens Martha.«
»Blake.« 
Für einen Moment sehen wir uns wortlos an, dann räuspert sie sich. »Ich habe keine Ahnung, warum ich dich das frage, aber ich bin auf dem Weg zu einer Gruselparty im Krankenhaus. Hast du Lust, mitzukommen? Je mehr Leute, desto besser und bis auf die Bowle sind die Getränke eh kostenpflichtig.« 
Ich überlege. Das ist so offensichtlich eine Falle, dass es schon lächerlich ist. Auf der anderen Seite ist mein Kontakt nicht aufgetaucht und irgendwo muss ich anfangen zu suchen. Es sieht so aus, als würde die Mission ein kompletter Alleingang werden. 
Ich werfe einen Blick auf meine Uhr. Zumindest momentan gibt es keine Anzeichen von Gefahr. Deshalb nicke ich und zwinge mich zu einem Lächeln. Mal sehen, was Martha im Schilde führt.
»Super.« Martha grinst. »Aber jetzt lass uns gehen, sonst ist die Bowle leer, bevor wir davon getrunken haben.«

News

 

Das E-Book meines neuen Romans erscheint am Montag, 23.01.23. 

Das Taschenbuch (ich habe den Probedruck erhalten und bin schockverliebt in das Cover!!), erscheint Anfang Februar. Du kannst es dann überall da bestellen, wo es Bücher gibt.

Cover und Klappentext, sowie eine Leseprobe, findest du hier: Mirror Hunt - gefährliche Leidenschaft

Und natürlich den Buchtrailer

 

 

Es bleibt dabei

Beide Bände der Schatten in den Highlands Dilogie

Die Nachkommen - Schatten in den Highlands 1

und

Die Elemente - Schatten in den Highlands 2

gibt es weiterhin zum halben Preis. Also praktisch 2 Bücher für den Preis von einem :-)

Einfach auf die Links klicken!

 

 

 

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Aussenseiter

Ich schreibe am letzten Band. Nun ja, ich habe daran geschrieben. Geht auch bald wieder los!!

Wird die Liebe von X und Tina alle Widrigkeiten überstehen?

 

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© Nicole Fünfstück schreibt