Neun Monate später (Teil 1)

In dem hohen Raum, dessen Wände mit unzähligen Bücherregalen gefüllt sind, brennt ein Feuer im Kamin. Es ist warm, doch meine Finger sind kalt. Die Angst, dass mein Vorgesetzter mich nicht für einsatzfähig halten könnte, nagt an mir. Ich brauche diesen Auftrag, um mit meinem Leben weiterzumachen.
»Wie Sie wissen, haben wir eine Nachricht von Valentin erhalten, in der er Ihnen Grüße ausrichten lässt«, beginnt mein Gegenüber das Gespräch. »Aber das ist nicht alles. Es ist auch ein Hilferuf der Edinburgher Zentrale eingegangen. Die paranormalen Aktivitäten in Schottland nehmen zu. Die dämonischen Fabelwesen schließen sich zusammen und organisieren sich, Regeln werden nicht eingehalten. Es gab Übergriffe auf Menschen. Fast doppelt so viele wie sonst. Die Edinburgher Bewahrer haben unsere Hilfe zur Analyse angefordert, denn es scheint Magie im Spiel zu sein. Obwohl das eigentlich unmöglich ist.«
Überrascht sehe ich ihn an. Es gibt kaum noch Menschen mit schwarzmagischem Blut und die wenigen, bei denen es festgestellt wurde, werden überwacht. Es sei denn ... 
»Der Schirm? Ich meine, besteht die Möglichkeit, dass Morgane etwas damit zu tun hat?«
Er zuckt mit den Schultern. »Der Rat der Bewahrer hält das für ausgeschlossen, obwohl wir uns natürlich nicht hundertprozentig sicher sein können. Die Vermutung liegt näher, dass es etwas mit dem Buch der schwarzen Magie zu tun hat, das aus dem Sicherheitsbereich der Asservatenkammer gestohlen wurde. Deshalb schicken wir Sie nach Edinburgh. Finden Sie heraus, was da vorgeht. Wenn es jemand schafft, dann Sie. Sie wurden in den Belangen der Magie ausgebildet. Ein weiterer Grund ist Valentin. Der Verdacht, dass er dieses Buch aus der Asservatenkammer geschafft und die Seiten gewechselt hat, verdichtet sich.«
Er reicht mir ein Foto. Es ist von schlechter Qualität, zeigt aber eindeutig Valentin beim Betreten des internen Sicherheitsbereichs. Eines Bereichs, für den er keine Autorisierung hat.
»Es hat etwas gedauert, bis wir es wieder herstellen konnten. Jemand hat die Aufnahmen dieser Nacht gelöscht. Valentin betritt nicht nur einen für ihn gesperrten Trakt, sondern tut es auch zu einer Zeit, zu der der Zutritt zur Asservatenkammer für alle strengstens verboten ist, weil die korrumpierende Macht der Relikte dann ihren Höchststand hat. Das und die Tatsache, dass er bereits zuvor mit einem nicht identifizierbaren Gegenstand beim Verlassen eines Bereichs fotografiert wurde, zu dem er keine Autorisierung hatte, lässt kaum noch Raum für Zweifel«, erklärt mein Vorgesetzter.
Ich nicke. »Sir, was ist so besonders an dem Buch? Ich wusste nicht einmal, dass es existiert.«
Er zögert einen Moment. »Es wussten nur wenige, Ihr Vater hielt es für notwendig, seine Existenz zu verschweigen. Das Buch gehörte Morgane le Fey. Es enthält ihre schwärzesten Zaubersprüche. Auch den, der den Spiegel der Macht aufklaren lässt.«
Eine Gänsehaut kriecht mir den Rücken herauf.
»Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass das Buch und der Spiegel zusammengeführt werden können. Er ist auch nach jahrhundertelanger Suche nicht aufgetaucht und wir sind uns sicher, dass er sich zusammen mit Morgane hinter dem Schirm befindet«, fährt mein Vorgesetzter fort, bevor ich etwas sagen kann. »Trotzdem enthält das Buch ausreichend andere gefährliche Zaubersprüche, die nicht in die falschen Hände gelangen dürfen. Dass Valentin sich in Edinburgh aufhält und sich dort die schwarzmagischen Vorkommnisse häufen, kann kein Zufall sein. Wie gesagt, finden Sie heraus, was dort vor sich geht. Wenn Valentin damit zu tun hat, nehmen Sie ihn fest. Aber sehen Sie zu, dass er sich diesmal nicht herauswinden kann. Wir brauchen Zeugen und Beweise. Eine Kontaktperson aus der Edinburgher Zentrale wird hier ...« Er reicht mir einen Zettel mit einer Adresse. »... auf Sie warten und mit Ihnen zusammenarbeiten.«
Ich lese ihn, knülle ihn zusammen und schmeiße ihn in den Kamin.
»Außer uns beiden wissen nur der oberste schottische Bewahrer und Ihr Kontakt, dass Sie in Edinburgh sind. Die Zentrale dort befürchtet einen Maulwurf in den eigenen Reihen. Das heißt, Sie beide sind auf sich gestellt. Was immer Sie unternehmen, wir brauchen Beweise. Seien Sie vorsichtig, ihr Leben ist bei diesem Einsatz in Gefahr.«
»Das ist es bei jeder Mission.«
»Normalerweise kennen Sie Ihren Gegner nicht persönlich und er fordert Sie nicht schon im Vorfeld heraus. Ich würde Ihnen einen Partner aus dieser Zentrale zur Seite stellen, aber es gibt keinen, mit dem Sie ausreichend trainiert haben, und ein nicht eingespieltes Team ist gefährlicher als ein Einzelauftrag.«
Ich salutiere und wende mich zum Gehen. Ich will hier raus und den Auftrag erledigen.
»Blake, sind Sie sicher, dass Sie diese Aufgabe bewältigen können?« Mein Vorgesetzter sieht mich prüfend an. 
»Er will mich. Deutlicher als durch die Grüße, die er mir ausrichten ließ, hätte er es nicht ausdrücken können. Abgesehen davon muss ich es sein, die ihn zu Fall bringt, um mit dem Ganzen abzuschließen.«
Mein Gegenüber nickt. »Ich erwarte Ihren wöchentlichen Bericht.«
Ich verlasse den Raum und atme vor der Tür tief durch. Valentin, Val, einst die Liebe meines Lebens. Jetzt mein Feind und der Mörder meines Vaters. Ein Verbrecher auf der Flucht. Wer außer mir hätte das Recht, ihn zur Strecke zu bringen?
Schnell durchquere ich die große Halle mit den unzähligen Säulen. Meine Absätze klappern auf dem Marmorboden und hallen wider, machen einen, wie es mir vorkommt, ohrenbetäubenden Lärm, der es trotzdem nicht schafft, meinen Herzschlag zu übertönen. Es hat geklappt. Ich habe den Auftrag, bin auf dem Weg nach Edinburgh und draußen wartet ein Wagen, um mich zum Flughafen zu bringen. Kurz bevor ich den Ausgang erreiche, ziehe ich die Waffe aus dem Schulterhalfter unter meinem Mantel und trete erst dann aus dem Gebäude. Letzte Woche wurde ein Kollege beim Verlassen der Zentrale angegriffen und schwer verletzt und ich lege keinen Wert darauf, den gleichen Weg zu gehen. Obwohl der in meiner Armbanduhr verborgene Sucher schwarzmagischer Wesen stumm bleibt, verharre ich draußen vor der Tür in der Deckung einer Säule. Das Meeting hat länger gedauert als geplant und inzwischen ist es dunkel. Der Platz vor mir wird durch die Straßenbeleuchtung erhellt, doch der Park auf der anderen Seite der Straße liegt in völliger Finsternis. Die Äste der Bäume scheinen nach dem Mond zu greifen, der heute voll am Himmel steht. Aufmerksam sehe ich mich um und laufe die Stufen hinunter, auf den Wagen zu. Der Fahrer steigt aus und öffnet mir die Tür.

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News

 

Das E-Book meines neuen Romans erscheint am Montag, 23.01.23. 

Das Taschenbuch (ich habe den Probedruck erhalten und bin schockverliebt in das Cover!!), erscheint Anfang Februar. Du kannst es dann überall da bestellen, wo es Bücher gibt.

Cover und Klappentext, sowie eine Leseprobe, findest du hier: Mirror Hunt - gefährliche Leidenschaft

Und natürlich den Buchtrailer

 

 

Es bleibt dabei

Beide Bände der Schatten in den Highlands Dilogie

Die Nachkommen - Schatten in den Highlands 1

und

Die Elemente - Schatten in den Highlands 2

gibt es weiterhin zum halben Preis. Also praktisch 2 Bücher für den Preis von einem :-)

Einfach auf die Links klicken!

 

 

 

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Aussenseiter

Ich schreibe am letzten Band. Nun ja, ich habe daran geschrieben. Geht auch bald wieder los!!

Wird die Liebe von X und Tina alle Widrigkeiten überstehen?

 

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© Nicole Fünfstück schreibt