Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Leseprobe

Prolog und Anfang des 1. Kapitels

Marga zog ihr lilafarbenes Kopftuch zurecht und sah dabei in den mannshohen Barockspiegel. Sie hätte schwören können, dass es gestern bei der Anprobe, noch viel besser zu ihren roten Locken gepasst hatte. Heute Abend schien es sich fast mit ihnen zu beißen. Sie griff nach den Rüschen ihrer weißen Bluse und ihr Spiegelbild tat es ihr gleich. Dabei glitzerte etwas. Marga zwinkerte überrascht und warf einen Blick auf ihre Hand. Sie trug keine Ringe und doch hatte sie gemeint, im Spiegel einen Ring gesehen zu haben. Sie sah sich ihre Hand im Spiegel an. Da war kein Ring. Marga grinste ihrem Spiegelbild zu.

„Halloween“, sagte sie und sah, wie ihr Spiegelbild tonlos dasselbe Wort mit den Lippen formte.

„Da gehen einem die Nerven durch.“

Sie wandte sich vom Spiegel ab, raffte ihren bodenlangen, bunten Rock und stopfte sich ein kleines Portemonnaie hinter ihre Schärpe. Danach löschte sie das Licht und verließ fröhlich summend den Raum.

 

Im Spiegel bewegte sich etwas. Ihr Spiegelbild kehrte zurück und sah ihr mit einem wissenden Lächeln nach.

 

 

Kapitel 1 

In dem hohen Raum, an dessen Wänden bis zur Decke reichende Bücherregale standen, war es warm, trotzdem hatte Tessa kalte Finger. Sie nahm die ihr gereichten Gegenstände entgegen, salutierte und wandte sich zum Gehen. Sie wollte raus hier, ihren Auftrag so schnell wie möglich hinter sich bringen.

„Sind Sie sicher, dass Sie diese Aufgabe bewältigen können und wollen? Sie müssen es nämlich nicht“, hielt ihr Vorgesetzter sie zurück.

„Es gibt andere, die das übernehmen können. Das wissen Sie.“

Tessa nickte.

„Er will mich. Deutlicher, als durch seine Grüße, hätte er es nicht ausdrücken können. Ich komme schon zurecht. Keine Sorge, die Mission wird nicht scheitern.“

„Es geht mir weniger um die Mission, als um Sie, Tessa. Sie werden hier noch gebraucht. Dringend. Vergessen Sie das nicht.“

„Wie könnte ich das vergessen“, erwiderte Tessa.

„Passen Sie gut auf sie auf.“

Ihr Gegenüber nickte.

„Sie haben mein Ehrenwort.“

Tessa verließ den Raum und machte sich auf den Weg zu dem Eingang, der diesmal im Park verborgen war. Ihre Absätze klapperten auf dem Marmorboden und hallten in der großen Halle, mit den unzähligen Säulen, wider. Sie verließ das Gebäude und blieb draußen vor der Tür kurz stehen.

Es war inzwischen dunkel geworden. Die Bäume vor ihr lagen in völliger Stille. Tessa stieg die Treppen hinunter, überquerte eine Rasenfläche und betrat den Park. Sie konzentrierte sich auf die Wegbeschreibung, die sie erhalten hatte, und sah sich dabei aufmerksam um. Das Knacken eines Zweiges ließ sie herumfahren. Jemand folgte ihr.

Tessa zog ihren Sucher aus der Manteltasche und schaltete ihn ein. Graue Punkte, immer in Bewegung. Einer bewegte sich extrem langsam. Sie hatte sich nicht geirrt. Sie wurde beobachtet. Sie musste sich beeilen. Heute Nacht war Halloween, die Nacht der Toten. Die Kluft zwischen den Dimensionen war heute kürzer als sonst. In dieser Nacht würde es einen winzigen Riss in der Realität geben. Wenn sie den Eingang nicht zur vorgeschriebenen Zeit fand, konnte es sein, dass man sie in die Irre führte und weit vom Kurs abkommen ließ. Dadurch würde sie wertvolle Zeit verlieren. Tessa steckte den Sucher zurück in die Innentasche ihres langen Mantels und ging schnellen Schrittes weiter. In den letzten Wochen waren zwei Kollegen von ihr, auf dem Weg zu einem Eingang, getötet worden. Sie legte keinen Wert darauf, Nummer drei zu werden.

Wieder knackte es hinter ihr, diesmal wesentlich näher. Ohne sich umzudrehen, begann Tessa zu rennen. Hinter ihr waren nun Schritte zu hören. Tessa lief schneller. Während sie nach den vorgegebenen Zeichen suchte, übersah sie eine Unebenheit im Boden. Sie stolperte, fiel der Länge nach hin und rutschte einen kleinen Hügel hinab. Unten angekommen blieb sie ein paar Sekunden lang liegen und zählte ihre Knochen. Sie war gerade wieder auf den Beinen, als sie über sich das schwere Atmen ihres Verfolgers und schließlich einen leisen Triumphschrei vernahm. Dann begannen Zweige zu rascheln und zu knacken. Ihr Verfolger war auf dem Weg den Hügel hinab und hatte sie fast eingeholt. Tessa fluchte lautlos, sah sich hastig um und bemerkte schließlich einen schwachen Lichtstrahl zwischen zwei Haselnusssträuchern.

Der Eingang!

Er befand sich nur wenige Schritte von ihr entfernt. Sie überlegte nicht lange, lief darauf zu und zwängte sich hindurch. Die Geräusche hinter ihr verstummten. Um sie herum gab es nichts außer gleißender Helligkeit. Tessa machte einen Schritt nach vorne und stürzte ins Nichts. ...

 

 

News

Hier gibt es die Zunkunft...

 

Die 2. Auflage des Buches ist fertig und über Amazon zu kaufen .

 

Am Samstag, 17.11.18 gibt es neue Fotos und Textauszüge!

 

Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

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Die Aussenseiter und das Buch der Schatten

 

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