Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Kapitel 2 - Seite 2

Tessa hoffte für die Frau, dass diese den Sex genossen hatte, denn es konnte ihr Letzter gewesen sein. Sie verließ den Obduktionsraum und kehrte zu Marga zurück, die inzwischen das Labor betreten hatte.

„Da drin liegt eine Frau, die ärztliche Hilfe benötigt. Kriegst du das hin?“

Marga schüttelte den Kopf.

„Ich bin keine Ärztin. Meine Freundin arbeitet hier, deshalb kenne ich mich aus. Sollten wir nicht hinaufgehen und Hilfe holen?“

Bevor Tessa antworten konnte, erklang von irgendwoher Musik. Marga zuckte zusammen, doch dann fing sie an zu grinsen.

„Ha! Ich wusste es doch“, sagte sie.

„Joe hat hier unten angerufen und Bescheid gesagt, dass wir kommen. Das war alles nur ein Spaß.“

Sie schob Tessa zur Seite und lief aus dem Labor. Tessa folgte ihr, doch als sie Marga eingeholt hatte, war es bereits zu spät. In der Verkleidung eines Schotten, das makellose Gesicht zu einem arroganten Lächeln verzogen, wartete es im Gang auf sie und hielt Marga vor sich, wie einen Schutzschild, seine Hände um ihren Hals gelegt. Tessa sah Margas große, verängstigte Augen. Sie versuchte die Hände des Wesens wegzuzerren, was natürlich unmöglich war.

Ich begrüße Euch, Erwählte“, sagte das Ding.

Verzeiht, wenn ich mich nicht verbeuge, aber dazu müsste ich eure neue Freundin loslassen, was ich aus verständlichen Gründen nicht tun möchte. Wie fühlst du dich,  eine Liebe?“ wandte es sich an Marga.

Schon etwas schwächer? Das dachte ich mir, denn ich fühle mich stärker.“



„Lass sie los!“

Tessa richtete die Waffe auf Marga, da sich das Wesen nun komplett hinter ihr verborgen hatte. Es lachte hämisch.

„Loslassen? Wohl kaum! Ich glaube nämlich nicht, dass ihr wirklich schießen wollt. Ihr würdet damit eine Unschuldige verletzen, vielleicht sogar töten. Und dafür seid ihr  nicht geschaffen. Das Töten überlasst lieber mir."

Eine seiner Hände glitt langsam nach unten und verschwand in Margas Ausschnitt. Marga begann sich wild zu wehren, doch das Wesen lachte nur leise.

„Eine Wildkatze und doch so schwach. Schade, dass wir nicht mehr Zeit haben. Sie hat übrigens noch etwa fünfzehn Minuten", fügte er hinzu.

„Ich sitze an der Hauptschlagader und über dem Herz, und sie ist so freundlich, mich ebenfalls zu berühren. Ich würde also sagen, Ihr seid es, die jetzt gehorcht. Waffe weg!"

Tessa holte tief Luft, hob die Waffe und zielte.

„Meine Aufgabe ist es, euch zu vernichten, nicht Unschuldige zu retten", erklärte sie.

„Es tut mir leid Marga, so war das nicht geplant“, sagte sie entschuldigend.

Die Hände des Wesens zuckten unsicher, aber sie blieben, wo sie waren. Marga machte eine abwehrende Geste, doch Tessa drückte ab. Sie sah, wie Marga nach hinten geschleudert wurde und sich dann auf dem Boden zusammenrollte. Das Wesen hatte nicht so viel Glück. Es zerfiel vor ihren Augen zischend zu Staub. Tessa lief zu Marga hinüber, die immer noch am Boden lag und sich den Bauch hielt.

Es tut mir leid“, sagte sie.

„Es ging nicht anders. Hätte es dich weiter angefasst, wären die Folgen schlimmer gewesen. Wie fühlst du dich?“

„Als hätte mir jemand mit einem Vorschlaghammer in den Magen geschlagen“, antwortete Marga und atmete keuchend.

„Wer zum Teufel bist du? Was war das für eine Waffe und wer war dieser Typ? Er hatte eiskalte Hände.“

Tessa half ihr, sich aufzusetzen.

Es war ein Spiegelbild“, sagte sie.

 

Es war ein ... was?", fragte Marga. 

„Ein Spiegelbild“, wiederholte Tessa.

„Du brauchst den Psychiater nötiger, als ich gedacht habe.“

Marga versuchte, ein Stück von Tessa wegzurücken.

„Ach ja?" Tessa richtete sich auf.

„Ich habe auf euch geschossen. Du hast Magenschmerzen, es hat sich vor deinen Augen aufgelöst.“

Bevor Marga darauf etwas erwidern konnte, ertönten aus der Leichenhalle Geräusche. „Wer ...?“, flüsterte Marga.

„Deine Freunde“, sagte Tessa nach einem Blick auf ihren Sucher.

„Von den anderen ist keins mehr hier. Komm ich helfe dir.“

Sie half Marga auf die Beine und stützt sie beim Gehen. Gerade, als sie die Leichenhalle erreicht hatten, öffnete sich die Tür und eine blonde, etwa zwanzigjährige, sehr blasse Frau taumelte heraus.

„Sandra“, sagte Marga, „was ist passiert?“

„Oh, hi Mädels“, antwortete Sandra undeutlich und stützte sich an der Wand ab.

„Was immer ihr auch tut, lasst die Finger von der Bowle. Irgend so `n Witzbold hat K.O. Tropfen reingeschüttet. Die ganze Partybande war weggetreten und wacht gerade wieder auf. Aber witzig war`s“, fügte sich kichernd hinzu.

„Es sind hier nämlich echt leckere Studenten aufgetaucht. Partyspringer haben sie sich selbst genannt. Wir haben Polonaisen getanzt und Polka und so `n Kram. Keine Ahnung, wo die hin sind. Als wir aufgewacht sind, waren sie schon weg, was wohl bedeutet, dass sie die Tropfen in die Bowle gekippt haben. Die haben davon nämlich nicht ein Glas angerührt.“

 



News

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Am Samstag, 17.11.18 gibt es neue Fotos und Textauszüge!

 

Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

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