Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Kapitel 2 - Seite 1

Die Eingangshalle des Krankenhauses war taghell erleuchtet und in der Luft hing der typische Desinfektionsgeruch. In der Mitte der Eingangshalle befand sich ein brusthoher, runder Empfangstresen, auf dem unzählige Papierstapel lagen. Dahinter saß ein junger Mann in einer weißen Jacke. Er trug ein Kopftuch und eine Augenklappe und sah ihnen lächelnd entgegen. Auf ihn steuerte Marga jetzt zu. Tessa folgte ihr. Irgendwo piepste ein Gerät. Ein alter Mann in einer gestreiften Schlafanzughose und einem grauen Bademantel schlurfte, einen rollenden Tropf hinter sich herziehend, an ihnen vorbei und versuchte seine Zigarette zu verbergen.

„Hallo Joe“, begrüßte Marga den Mann, „nette Verkleidung.“

Joe grinste.

„Wart's ab! Noch bin ich im Dienst, aber du siehst klasse aus. Und wer ist die Schönheit, die du da im Schlepptau hast?“

„Tessa, das ist Joe, Joe, das ist Tessa“, stelle Marga sie vor.

„Höchst erfreut“, sagte Joe und machte eine Verbeugung, die aus einem Mantel- und Degenfilm hätte stammen können.

„Ich hoffe ihr reserviert mir ein bisschen Bowle und einen Tanz. Ich bin in einer halben Stunde fertig.“

„Klar“, versprach Marga. „Wir sehen uns später.“

Sie gingen auf die Aufzüge zu, Marga drückte auf einen Knopf und drehte sich noch einmal zu Joe. Sie warf ihm eine Kusshand zu. Als die Tür des Lifts aufglitt, zuckte Tessa zurück. Spiegel. Marga war noch damit beschäftigt, mit Joe zu flirten und drehte sich erst zu ihr um, als der Aufzug bereits wieder geschlossen war.

„Warum hast du ihn nicht aufgehalten?", erkundigte sie sich und wollte wieder auf den Knopf drücken.

Tessa hielt sie zurück.

„Gibt es hier keine Treppen?“, fragte sie. „Ich fahre nicht gerne Fahrstuhl.“

Marga warf ihr einen erstaunten Blick zu, doch dann nickte sie.

„Klar gibt es Treppen. Jetzt weiß ich auch, wie du dein Gewicht hältst. Man gut, dass wir nach unten müssen.“

Nachdem sie ein paar Stockwerke nach unten gestiegen waren, verließen sie das Treppenhaus und traten durch eine Tür, an der „Obduktionsräume / Depots“ stand. Vor ihnen befand sich ein langer, nur von vier ausgehöhlten Kürbisköpfen beleuchteter Gang, in dem sowohl rechts, als auch links, Türen waren.

„Die Party findet im Depot statt“, erklärte Marga kichern und zeigte auf eine große, metallene Flügeltür, am Ende des Ganges.

„Das macht das Ganze gruseliger. Natürlich befinden sich dort momentan keine wirklichen Leichen“, fügte sie hastig hinzu.

Tessa sah sich wortlos um. Eine der Türen, kurz vor dem Depot, war nur angelehnt. Schwaches Licht fiel heraus. Es herrschte absolute Stille. Marga machte einen Schritt auf das Depot zu und ihre Schuhe quietschten auf dem Linoleumbelag des Flurs.

„Warte mal Marga“, sagte Tessa leise.

„Wie viele Leute nehmen an der Party teil?“

„Keine Ahnung“, sagte Marga.

„Wieso ist das wichtig?“

„Fällt dir nichts auf? Es ist verdammt ruhig dafür, dass hier irgendwo eine Party stattfinden soll.“

Tessa zog ihren Sucher aus der Manteltasche. Es war nur noch ein blauer Punkt übrig und der hatte aufgehört, sich zu bewegen. Eines von ihnen war hier. 

 

„Hör zu Marga, wir haben keine Zeit für lange Erklärungen, aber wenn du diesen Ort unbeschadet verlassen willst, muss ich wissen, was in den Räumen vor uns ist.“

Marga, die den Sucher neugierig betrachtet hatte, sah sie überrascht an, dann grinste sie und flüsterte: „Huuuuh! Gruselig! Also schön, ich spiele mit. Auf jeder Seite des Gangs gibt es drei Räume. Auf der linken Seite befinden sich ein Labor, ein Obduktionsraum und ein Raum, in dem Gewebeproben und Ähnliches aufbewahrt werden. Rechts gibt es ein Labor, einen Obduktionsraum und eine Toilette. Direkt vor uns, befindet sich die Leichenhalle. Dort soll eigentlich die Party stattfinden.“

Tessa nickte.

„O.k. Bleib hinter mir.“

Bevor Marga etwas erwidern konnte, griff Tessa hinter ihren Rücken und zog eine Pistole aus ihrem Hosenbund. Dann öffnete sie die Tür zu ihrer Linken mit einem Ruck. „Das ist ein Labor“, sagte sie leise.

Tessa trat einen Schritt in den Raum, der durch eine Notlampe beleuchtet wurde, und sah sich um. An den Wänden standen Tische mit Mikroskopen, Ablagekästen, Reagenzglashaltern und ähnlicher Gerätschaft, gleich neben dem Eingang ein Kühlschrank. In der Mitte des Labors befand sich ein im Boden verankerter Block, auf dem mehrere Glaskästen saßen, von denen Abzugsrohre zur Decke führten. Der Raum war leer.

„Gibt es hier zwischen den Räumen Verbindungstüren?“, fragte sie Marga über die Schulter.

Marga, die in der Tür stehen geblieben war, starrte sie sprachlos an. Schließlich nickte sie und zeigte nach rechts.

„Ich glaube schon. Da hinten ist eine Glastür. Sie müsste dieses Labor mit dem Obduktionsraum verbinden. Wonach suchst du überhaupt? Und wieso hast du eine Pistole?“

Tessa ignorierte sie und huschte auf die Glastür zu. Das Labor war leer, soviel stand fest. Und wenn ihr Gefühl richtig war, der Obduktionsraum auch. Es würde sich nicht absondern, sondern bei den Menschen bleiben. Und die waren in der Leichenhalle. Vorsichtig öffnete sie die Tür und trat ein. Durch den Glaseinsatz des anderen Eingangs schien flackernd das Kerzenlicht der Kürbisse. In der Mitte des Raums befand sich ein metallener Obduktionstisch. Darauf lag eine Frau. Ihre Augen waren geschlossen und sie atmete noch, wenn auch sehr flach. Sie lag da mit geöffneter Bluse, hochgeschobenem Minirock und gespreizten Beinen. Ihr Slip, ihre Afro Perücke und einer ihrer Plateau Pumps lagen auf dem Fußboden. In der Luft hinf der Geruch von Sex und Vanille.

Sie hatte sich geirrt. Es hatte sich abgesondert.

 



News

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Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

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