Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Seite 2 - Kapitel 1

Als sie zu sich kam, war es um sie herum wieder dunkel. Es stank nach verfaultem Gemüse und saurer Milch. Etwas raschelte in ihrer Nähe. Tessa setzte sich hastig auf und sah sich wachsam um. Sie befand sich in einem Hinterhof neben einem überquellenden Mülleimer. Schimmelnde Orangenschalen und eine leere Milchtüte lagen vor ihren Füßen. Eine Ratte rannte quiekend an ihr vorbei. Sonst schien alles ruhig zu sein. Mit etwas Glück hatten sie ihr Eintreffen noch nicht bemerkt. Tessa stand auf, klopfte sich so gut es ging, die Kleidung ab und verließ eilig den Platz ihrer Ankunft. Während sie auf die Straße trat, betrachtete sie ihren Sucher, der diesmal sich bewegende, eisblaue Punkte zeigte. Ein schrilles Quietschen ließ sie aufblicken. Keine Handbreit von ihr entfernt, war ein Auto zum Stehen gekommen. Ehe Tessa noch reagieren konnte, stieg der Fahrer, ein fetter, rotgesichtiger Mann, aus.

„Du hast wohl den Verstand verloren!“, brüllte er.

„Los verschwinde von der Straße!“

Bewegungslos und mit hochgezogener Augenbraue blickte Tessa ihn an.

„Ich habe gesagt, dass du verschwinden sollst“, schimpfte der Mann.

„Bist du taub oder was?“

„Sehen Sie denn nicht, dass sie völlig verwirrt ist?“

Eine Frau, in einem bodenlangen, bunten Rock, trat zu Tessa.

„Also lassen Sie sie gefälligst in Ruhe!“

Sie warf dem Mann einen wütenden Blick zu und wandte sich dann an Tessa: „Alles klar bei dir?“ Tessa nickte langsam und betrachtete ihr Gegenüber aufmerksam. Die Frau war etwa in ihrem Alter. Sie hatte ein rundes, fröhliches Gesicht, mit großen,

blauen Augen und unzähligen Sommersprossen. Rote Haare kringelten sich unter einem Kopftuch hervor und ihr breiter Mund war zu einem freundlichen Lächeln verzogen. Zwischen ihren geschminkten Lippen blitzten weiße Zähne.

„Der Wievielte ist heute?“, fragte Tessa.

Die Fremde starrte sie einen Moment lang verblüfft an.

„Der beinahe Zusammenstoß scheint dich verwirrt zu haben“, sagte sie.

„Wir sollten vielleicht lieber einen Arzt aufsuchen. Bist du verletzt, tut dir etwas weh? Der Kopf vielleicht?“

„Nein“, sagte Tessa ungeduldig.

„Mir tut nichts weh, ich möchte nur wissen, welcher Tag heute ist. Ist das so schwer zu beantworten?“

„Hey“, erwiderte die Fremde, „du musst nicht gleich zickig werden. Schließlich will ich dir nur helfen. Heute ist der 31 Oktober, Halloween. Wie mir scheint, brauchst du wirklich ärztliche Hilfe. Also, was ist, soll ich dich begleiten?“

Sie wandte sich zum Gehen.

Tessas griff nach ihrem Arm.

„Welches Jahr?“, fragte sie.

Die Fremde versuchte, sich aus Tessas Griff zu befreien.

„Hör zu“, sagte sie wütend, „verarschen kann ich mich alleine. Such dir `ne andere Blöde. Und jetzt lass mich los!“

„Der 31. Oktober welchen Jahres?“, wiederholte Tessa.

„2005“, antwortete die Fremde und sah Tessa nachdenklich an.

„Du weißt es wirklich nicht, richtig?“

Tessa schüttelte den Kopf und ließ den Arm der Frau los.

„Ich heiße übrigens Marga“, stellte sich diese nun vor und rieb sich den Oberarm.

„Tessa.“

„Und ich bin Joachim, und wenn ihr euch nicht gleich von der Straße bewegt, fahre ich über euch drüber. Drogensüchtiges Pack!“, meldete sich der rotgesichtige Mann wieder zu Wort, der die ganze Szene sprachlos beobachtet hatte.

Tessa fuhr herum und machte einen Schritt in seine Richtung, doch Marga hielt sie

zurück.

„Lass den Idioten“, sagte sie. „Bei dem herrscht sexueller Notstand. Oder kannst du dir eine lebende Frau vorstellen, die mit dem freiwillig was anfängt?“

Tessa betrachtete den Mann eingehender. Sein hellbrauner Pullover war vorne mit irgendetwas bekleckst und spannte über seinem feisten Bauch. An einer Seite war er nach oben gerutscht, was ihr einen unfreiwilligen Blick auf sein gelbliches Feinripp Unterhemd gestattete. Selbst auf Entfernung roch er nach Schweiß. Tessa schüttelte sich und trat wortlos von der Straße. Im selben Moment sprang der Mann ins Auto.

„Warte, bis meine Zeit gekommen ist, du Schlampe!“, schrie er und schüttelte seine Faust in Margas Richtung. Dann ließ er den Motor an und fuhr davon.

Tessa sah, wie Marga einen Augenblick wütend hinter dem Auto hersah.

„Ach was soll´s“, sagte Marga und seufzte.

„Er ist es nicht wert, uns den Abend zu verderben. Ich war auf dem Weg zu `ner Halloween Party im Krankenhaus. Hast du Lust mitzukommen?“

Sie warf einen anerkennenden Blick auf Tessas Kleidung.

„Richtig angezogen dafür bist du ja. Du siehst aus wie Trinity aus dem Film Matrix.

Allerdings ist der Mantel nicht ganz stilecht. Der passt eher in irgendeinen Vampirfilm. Was gäbe ich dafür, deine Figur zu haben.“

Tessa sah Marga von oben bis unten an.

„Komm bloß nicht auf die Idee, dass du zu dick bist“, sagte sie ruhig.

„Egal, was dir dein Spiegel zeigt. Glaub ihm nicht. Hast du verstanden?“

„Äh, ja“, sagte Marga erstaunt.

„Was ist nun mit der Party?“

Tessa überlegt einen Moment, dann nickte sie. Irgendwo musste sie ja schließlich mit der Suche beginnen.

„Unter einer Bedingung", sagte sie und sah Marga an.

„Keine ärztlichen Untersuchungen. Glaub mir, ich bin vollkommen gesund.“

„Wenn du es sagst.“

Marga grinste.

„Aber jetzt lass uns gehen, sonst ist die Bowle alle, bevor wir etwas abbekommen haben.“

News

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Am Samstag, 17.11.18 gibt es neue Fotos und Textauszüge!

 

Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

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