Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Seite 2 - Kapitel 1: Das Buch

IIm Inneren des Ladens war es dämmerig und angenehm kühl. Leise Musik erklang aus unsichtbaren Lautsprechern. Es roch nach Staub und alten Büchern, aber auch nach Leder und etwas anderem, das ich nicht benennen konnte. Bücherregale aus dunklem Holz verloren sich in der Tiefe des Raumes, die Gänge dazwischen wurden von runden Deckenlampen beleuchtet, die an Bullaugen erinnerten und nur schwaches Licht verbreiteten. Ich fühlte mich ein wenig wie in dem Bauch eines alten Holzschiffes. Irre, aber wie sollte man bei dem schlechten Licht etwas finden?

Rechts neben dem Eingang stand ein Holztresen, auf dem sich, außer einer altmodischen schwarzen Kasse, so viele Bücher befanden, dass ein kleiner Blumentopf mit Gänseblümchen fast keinen Platz mehr hatte. Hinter dem Tresen saß eine alte Frau. Sie trug eine goldene Lesebrille und las in einem Buch, das sie weit von sich gestreckt hatte. Als mich räusperte und schüchtern „Guten Tag“ murmelte, sah sie von dem Buch auf. Wache, grüne, von Fältchen umgebene, Augen blitzten hinter den halbrunden Gläsern. Die Frau legte das Buch beiseite, zog ihre Strickjacke zurecht und erhob sich. Sie war klein, kaum größer als ich selbst.

 

Ich bin Mathilde, wie kann ich dir helfen?“, erkundigte sie sich.

Ich konnte förmlich spüren, wie mir das Blut in die Wangen schoss, und sagte schnell: „Ich heiße Christina und suche ein Buch. Ich meine, das dürfte klar sein, wo ich doch in einem Buchladen bin, aber ich suche ein besonderes Buch.“

Beim Sprechen spritzte ein bisschen Speichel durch meine Zahnspange.

Automatisch schlug ich die Hände vor den Mund, ließ sie aber gleich wieder sinken und versuchte es erneut. Mein Gesicht glühte inzwischen und meine Stimme überschlug sich fast: „Ich suche ein Jugendbuch meiner Mutter. Sie hat es vor langer Zeit verloren. Ich weiß leider nicht genau, wie es heißt, nur, dass auf dem Cover drei Mädchen abgebildet sind, die in einem Buch lesen. Es darum geht, dass die Mädchen plötzlich zu Hexen werden. Ich weiß, das ist nicht viel Info, deshalb habe ich es wohl auch noch nicht gefunden, obwohl ich wahrscheinlich bereits in allen Buchläden der Stadt war. Und bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie angespuckt habe, aber kann mich einfach nicht an diese Zahnspange gewöhnen“, schloss ich atemlos.

 

Mathilde sah mich einen Augenblick schweigend an, dann sagte sie: „Ich weiß leider nicht, von welchem Buch du sprichst, aber falls es hier im Laden ist, findest du es dort hinten, rechts in der Ecke.“

Sie wies auf einen Korridor zwischen zwei Regalreihen und fuhr fort: „Dort hinten bewahre ich alle alten Kinder- und Jugendbücher auf. Schau dich ruhig in Ruhe um und mach dir keine Sorgen wegen der Zahnspange. Du gewöhnst dich bestimmt bald daran. Außerdem musst du sie ja nicht für immer tragen, nicht wahr?“

Sie lächelte mir aufmunternd zu und griff wieder nach ihrem Buch.

 

Ich schüttelte den Kopf und ging hastig in die angewiesene Richtung. Nein, ewig musste ich dieses schreckliche Drahtgestell, das fest auf meine Zähne betoniert war, nicht tragen. Aber jeder Tag, den ich damit herumlaufen musste, war zu viel. Morgen würde ich in einer neuen Schule anfangen. Das war auch ohne Zahnspange schon schwer genug. Ich hatte nie zu den Mädchen gehört, die beliebt waren und schnell Freundschaft mit anderen schlossen. Meine blöde Brille und meine Schüchternheit, vor allem letztere, hatten das verhindert. Selbst jetzt war ich noch überrascht, dass ich überhaupt eine Freundin gefunden hatte. Eine Freundin, die zurückgeblieben war, in der Stadt, in der ich jetzt nicht mehr wohnte.

Da ich mal wieder nicht hundertprozentig bei der Sache war, stolperte ich fast über einen Bücherhaufen, der aus völlig unerfindlichem Grund auf dem Boden, vor einem der Regale, lag. Verrückt. Ich schüttelte den Kopf, sah mich zum ersten Mal genauer um und bemerkte, dass die meisten Bücher in den Regalen nicht nebeneinander standen, sondern übereinander gestapelt waren. An den Bücherregalen befanden sich kleine Lampen. Neugierig drückte ich auf einen der Schalter. Licht flammte auf. Ich nahm ein Buch aus dem Regal, dann noch eins und ein weiteres. An keinem der Bücher waren Preisschilder. Ebenso wie das Haus, in dem er sich befand, wirkte der Buchladen überhaupt nicht wie ein Geschäft. Ich legte die Bücher wieder zurück, schaltete die Lampe aus und ging weiter.

Schließlich fand ich mich in einer Art Erker ohne Fenster wieder. Wenn ich in die richtige Richtung gelaufen war, mussten sich hier die Kinder- und Jugendbücher befinden. Der Erker wirkte gemütlich. Eine Stehlampe verbreitete einen Kreis aus Licht und am Boden lagen mehrere dicke Kissen. Allerdings gab es hier auch unzählige Bücherstapel, die mir teilweise bis zur Brust reichten. Ich seufzte, das würde dauern. Ich ließ mich auf einem der Kissen nieder und griff zum ersten Buch.

 

Als ich den dritten Stapel bis zur Hälfte durchgesehen hatte, entdeckte ich ein Buch, auf dessen Cover drei Mädchen waren, die in einem Buch lasen.

Heureka!“, rief ich, allerdings leise und nahm es von dem wackeligen Stapel, der prompt und polternd in sich zusammenfiel. Staub wirbelte im Licht der Lampe. Erschrocken warf ich einen Blick in Richtung Kasse, doch zwischen den dunklen Regalen rührte sich nichts. Ich sah mir das Buch genauer an. Es war schon ziemlich alt, ein wenig abgegriffen, aber trotzdem recht gut erhalten. Die Schrift des Titels erinnerte mich an die Bücher meiner Urgroßmutter. Sie war in altdeutsch geschrieben und schwer zu entziffern.

Der Hexenklub“, buchstabierte ich mühsam und meine Stimme erschien mir unendlich laut.

News

Hier gibt es die Zunkunft...

 

Die 2. Auflage des Buches ist fertig und über Amazon zu kaufen .

 

Am Samstag, 17.11.18 gibt es neue Fotos und Textauszüge!

 

Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

Bei Amazon gibt es den ersten Band:

Die Aussenseiter und das Buch der Schatten

 

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