Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Leseprobe

1. Kapitel - Das Buch

"Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und er wurde hinausgeworfen, der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt (...) Und wenn die Tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden aus seinem Gefängnis und wird ausziehen zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde." (...)

Johannes Offenbarung 12.7 ff

 

"Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel." (...)

Epheser 6.12

 

Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe,

© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

 

 

Das Buch

Der Buchladen wirkte schon von außen seltsam. Er befand sich in einem alten Einfamilienhaus, mit merkwürdigem Türmchen, dessen ehemals weißer Anstrich mit der Zeit verwaschen und grau geworden war. Nahezu die gesamte Vorderfront des Hauses wurde von einem einzigen, unbeleuchteten Schaufenster eingenommen, dessen Auslage man aus Entfernung nicht erkennen konnte. Das, und die beiden hohen Bäume, die das Haus flankierten und unter denen es fast verschwand, erweckten den Eindruck, es eher verstecken, als herzeigen zu wollen.

< Mathildes Buchladen - Vergangenes und Modernes > stand in weißer, verschnörkelter Schrift auf der Scheibe. Rechts neben dem Schaufenster befand sich eine Tür mit einem Glaseinsatz, der durch ein altmodisches Eisengitter geschützt wurde. Ein Kiesweg führte von der Haustür weg, durch einen Garten, zur Straße. Der Rasen vor dem Haus war mehr gelb als grün und stellenweise schaute Erde durch das trockene Gras. Unter einem Apfelbaum stand eine Gartenbank. Einige Äpfel lagen auf dem Boden davor und hatten Insekten angelockt.

 

Ich stand an den Jägerzaun gelehnt, der das Grundstück umgab, und betrachtete das Haus unschlüssig. Eigentlich wirkte es nicht wie ein Geschäft, sondern eher wie ein Privatbesitz, den man nicht ohne Einladung betreten durfte. Ich hatte es auch nur entdeckt, weil ich mich in dieser schrecklichen Stadt noch nicht richtig auskannte und auf dem Weg nach Hause von der Einkaufsstraße falsch abgebogen war. Es hatte mich angezogen, weil es zwischen den hohen modernen Gebäuden, die es umgaben, so wirkte, wie ich mich fühlte. Verloren, deplatziert, falsch. Sogar die Straßengeräusche kamen mir hier gedämpfter vor. Ich warf einen erneuten Blick auf das abweisende Schaufenster und gab mir schließlich einen Ruck. Ich hatte den ganzen Tag mit der Suche nach einem Buch verbracht, das meine Mutter als Kind geliebt und später verloren hatte. Sie hatte mir beim Öffnen der Umzugskisten davon erzählt, vielleicht, weil wir wieder in der Stadt gelandet waren, in der sie geboren und aufgewachsen war. Ihre Stimme hatte so sehnsüchtig geklungen, dass ich beschlossen hatte, ein Exemplar des Buches aufzutreiben und es ihr zum Geburtstag zu schenken. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass es so schwierig sein würde. Ich war seit heute Morgen unterwegs und hatte in gefühlt einhundert Läden gesucht. Was machte ein Laden mehr oder weniger also schon aus?

 

Ich öffnete die Gartenpforte, die leise quietschte, und ging auf den Laden zu. Meine Schritte knirschten im Kies. Eine Wespe wurde dadurch von den Äpfeln abgelenkt und flog auf mich zu, was mich dazu veranlasste sofort wie angewurzelt stehen zu bleiben. Gott sei Dank verlor das Insekt schnell das Interesse an mir und kehrte zu den Äpfeln zurück. Mit einem Seufzer der Erleichterung ging ich weiter. Als ich das Schaufenster erreichte und einen Blick hinein warf, sah ich, dass sich darin ein kunterbuntes Durcheinander befand.

Funkelnagelneu aussehende Kinderbücher, uralte Einbände, deren Farben inzwischen ausgebleicht waren und dazwischen verteilt, ohne erkennbares System, Spielzeug. Ein Holzzug stand schräg in einer Ecke, was ihn aussehen lies, als wäre er kurz vor dem Entgleisen und ein gelber Ball lag daneben, wie ein überdimensionales Osterei. Was für ein Wirrwarr. Manche Menschen hatten eine merkwürdige Vorstellung davon, was andere zum Kaufen animierte. Ich trat einen Schritt zurück und konnte nun mein Spiegelbild in der Fensterscheibe sehen. Ein schmales Gesicht, mit großen, schon fast insektenartigen Augen, hinter einer dicken Brille, und mein rechtes Schienbein verunziert durch einen dicken, blauen Fleck. Ich neigte dazu überall anzuecken und gestern hatte mir der Couchtisch im Weg gestanden. Vorsichtig öffnete ich den Mund. Meine Zähne waren voller Metall. Alles in allem sah ich aus wie ein Monster.

 

Am liebsten wäre ich umgekehrt, doch gleichzeitig weigerte ich mich aufzugeben. In keinem der anderen Buchläden hatte man mir helfen können. Niemand schien das Buch zu kennen, von dem ich, zugegebenermaßen, auch nur den Inhalt und das Cover beschreiben konnte und ich beschloss, mein Glück noch ein letztes Mal zu versuchen. Sollte es hier nicht klappen, würde ich mir ein anderes Geschenk überlegen müssen. Ich wandte mich zur Tür, schob entschlossen meine Brille hoch und presste die Lippen so zusammen, dass man die hässliche Zahnspange nicht sofort sah. Dann drückte ich auf die Klinke. Die Tür schwang nach innen auf und ein Glöckchen bimmelte.

News

Hier gibt es die Zunkunft...

 

Die 2. Auflage des Buches ist fertig und über Amazon zu kaufen .

 

Am Samstag, 17.11.18 gibt es neue Fotos und Textauszüge!

 

Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

Bei Amazon gibt es den ersten Band:

Die Aussenseiter und das Buch der Schatten

 

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