Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Leseprobe

Prolog und 1. Kapitel

Prolog

 

Wie soll man sehen, was verborgen,

begreifen, was unbegreiflich

und verstehen, was das Herz längst weiß?

 

 

Das Haus, erster Teil

 

Das Haus stand vor alten, wuchtigen Tannen, die in einen Wald übergingen. Ein Vorgarten, mit vertrocknetem Gras und vereinzelten Apfelbäumen trennte es von der Straße. Ein fast zugewachsener Plattenweg führte von ihm fort, zu einem windschiefen Gartentor, das sich in einem morschen Jägerzaun befand. Seitlich wurde das Grundstück außerdem von verwilderten Sträuchern begrenzt. Die ehemals weiße Farbe des zweistöckigen Gebäudes hatte einen schmutzigen Grauton angenommen, die dunklen Balken des Fachwerks waren ausgebleicht. Von den Fensterläden, die früher ebenfalls weiß gewesen sein mussten, war die Farbe fast völlig abgeblättert, so dass das Holz der Lamellen nackt wirkte. Eve schaute hinauf zu dem runden Giebelfenster. Das Glas wurde durch ein Fensterkreuz unterteilt, wobei die beiden oberen Scheiben kleiner waren, als die unteren. Eine der unteren Scheiben hatte einen Sprung. Ihr Blick wanderte weiter zum Dach. Ein paar Schindeln hatten sich gelöst und hingen schief, einige fehlten ganz. Auf dem Dachfirst saß eine Amsel und beobachtete sie argwöhnisch.

„Auch wenn der Kaufpreis ungewöhnlich niedrig ist, wird es garantiert ein Heidengeld kosten, den alten Kasten wieder bewohnbar zu machen!“, sagte Bernd, ihr Freund.

Er stand neben ihr, mit schief gelegtem Kopf, die Hände in die Hüften gestemmt, die ein bisschen Speck angesetzt hatten. Die Amsel, durch das plötzliche Geräusch aufgeschreckt, flog schimpfend davon.

„Ich weiß“, gab Eve zu, ohne den Blick vom Haus abzuwenden.

„Aber allein die überdachte Veranda ist es wert, es zu kaufen, von dem Wäldchen dahinter ganz zu schweigen.“

Ihr Blick blieb an den vier grauweißen Pfosten hängen, die das Dach der Veranda trugen, zu der drei Stufen hinauf führten. Hier würden sich Kletterrosen ganz wunderbar machen.

„Es ist ewig weit weg von Hamburg“, versuchte Bernd es erneut.

„Wir werden Stunden brauchen, nur um Einkaufen zu fahren.“

„Nicht Stunden, höchstens eine Stunde und die meisten Dinge können wir auch hier im Dorf besorgen. Ich habe beim Reinfahren einen Supermarkt gesehen“, entgegnete Eve und drehte sich nun doch zu ihm.

„Lass es uns wenigstens ansehen.“

Sie klimperte mit den Wimpern.

„Hier steht, dass man bei dem Besitzer der Dorfkneipe nachfragen soll.“

Sie wies auf das ausgeblichene „Zu verkaufen“ Schild, das vor dem Grundstück aufgestellt worden war und auf dem nicht nur der Preis, sondern auch diese Information stand.

„Einverstanden“, gab Bernd sich geschlagen und seufzte.

„Aber versprich mir, dass du die Sache aufgibst, wenn die Treppe zusammenbricht, sobald wir sie betreten und das Dach Löcher hat.“

Eve schnitt ihm eine Grimasse und nickte. Innerlich jedoch jubilierte sie und beschloss, für dieses Haus zu kämpfen. Was waren schon ein paar Löcher im Dach. Heutzutage ließ sich alles richten. Sie ging zurück zum Auto und stieg ein.

 

Bernd folgte Eve seufzend. Schon die Straße, die zum Haus führte, war abenteuerlich. Sie war zwar ausreichend breit und hatte auch keine nennenswerten Schlaglöcher, doch sie war nicht geteert, und am letzten Haus waren sie vor etwa fünf Minuten vorbeigekommen. Der alte Kasten hier war der Letzte und lag an einer Sackgasse. Wie die Beschaffenheit der Straße im Herbst und Winter sein würde, wollte er sich lieber nicht ausmalen. Wahrscheinlich würden sie einen Wagen mit Allradantrieb brauchen, um sie zu benutzen. Sie hatten dieses Haus überhaupt nur entdeckt, weil Eve, nach ihrem Wochenende am Meer, nicht über die Autobahn, sondern „über die Dörfer“ hatte zurückfahren wollen. Einfach, um mal zu sehen, ob irgendwo auf dem Weg Häuser zum Verkauf standen. Die Idee ein Haus zu kaufen, war ihr vor nicht all zu langer Zeit gekommen und Bernd hatte sie, zu seiner eigenen Verwunderung, gefallen. So gut, dass er ihr kurz darauf einen Heiratsantrag gemacht hatte. Er wusste selbst nicht, was in ihn gefahren war, denn Heiraten war weder für ihn noch für Eve jemals ein Thema gewesen. Zu seiner noch größeren Verwunderung hatte Eve den Antrag angenommen. Und nun standen sie hier. Weil Eve vorhin vorgeschlagen hatte, mal kurz links abzubiegen. Bernd warf einen letzten Blick auf das alte Haus, das sich ihm zwischen den Bäumen entgegen zu strecken schien, dann stieg er ins Auto. Auch wenn er es ungern zugab, das Haus hatte tatsächlich etwas Einladendes, trotzdem es aussah, als würde es jeden Moment zusammenbrechen.

News

Hier gibt es die Zunkunft...

 

Die 2. Auflage des Buches ist fertig und über Amazon zu kaufen .

 

Am Samstag, 17.11.18 gibt es neue Fotos und Textauszüge!

 

Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

Bei Amazon gibt es den ersten Band:

Die Aussenseiter und das Buch der Schatten

 

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