Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Kapitel 2

Klaas

 

Von seinem Platz hinter dem Tresen aus, beobachtete Klaas Hansen das Pärchen, das aus dem Auto stieg. Sie waren beide in den Dreißigern und hielten Händchen, als sie auf sein Lokal zugingen. <Sie wollen sich Sebastians Haus ansehen>, ging es ihm durch den Kopf. Er legte das Handtuch beiseite, mit dem er gerade Gläser poliert hatte und griff nach dem Schlüsselbund, das hinter ihm an einem Haken hing. Während er mit den Schlüsseln in der Hand abwartend zur Tür sah, kam ihm das letzte Gespräch in den Sinn, das er mit Sebastian geführt hatte. Sebastian war auf ein Bier vorbeigekommen und hatte ihm diesen Schlüsselbund und einen großen Briefumschlag in die Hand gedrückt.

Nimm“, hatte er gesagt.

Wenn ich nicht wiederkomme, dann verkauf das Haus, mit allem, was darin ist und mir gehört. Du wirst wissen, wann die richtigen Käufer kommen. Und sie werden es auch.“

Das war vor 17 Jahren gewesen. Kurz bevor Sebastian wieder zu einer seiner merkwürdigen Reisen aufgebrochen war. Klaas hatte den Schlüssel und das Testament zuerst nicht annehmen wollen, aber Sebastian hatte darauf bestanden.

Ich werde entweder wiederkommen und Dir endlich erklären, warum ich mich in letzter Zeit so merkwürdig benommen habe oder sterben“, hatte er ruhig erklärt.

Sollte Letzteres der Fall sein, sollen andere dort weitermachen können, wo ich aufgehört habe.“

Einen Tag später war der Flug 103 der PanAm auf dem Weg von Frankfurt über London nach New York über Lockerbie abgestürzt. Ein libyscher Attentäter hatte eine Bombe im Flugzeug versteckt. Alle 259 Flugzeuginsassen waren ums Leben gekommen und mit ihnen Sebastian. Im Gegensatz zu den anderen Opfern war von Sebastian noch nicht einmal ein Finger gefunden worden. Er war einfach verschwunden, so als hätte er nie in diesem Flugzeug gesessen. Doch er war an Bord gewesen, das hatte nicht nur das Bodenpersonal der PanAm in London bestätigt, das sich an ihn hatte erinnern können, weil er äußerst nervös gewesen war, sondern man hatte auch Sebastians geliebtes, in Leder gebundenes Tagebuch gefunden. Dieses Buch hatte Sebastian fast zwei Jahre lang ständig mit sich herumgetragen und er hätte es niemals freiwillig hergegeben. Man hatte es Klaas ausgehändigt, weil im Deckel sein Name und die Bitte gestanden hatten, dies zu tun, sollte der wahre Besitzer nicht gefunden werden. Klaas hatte es mit den anderen persönlichen Gegenständen seines Freundes in eine Kiste gesteckt und auf den Dachboden des Hauses getragen. Er hatte es nicht gelesen, obwohl es Sebastians Letzter Wille gewesen war, dass er es bekam. Es wäre ihm wie ein Verrat vorgekommen. Fremde Tagebücher las man nicht. Manchmal, wenn der Wind abends an seinem eigenen Haus rüttelte und er nicht schlafen konnte, war er versucht zu Sebastians Haus zu fahren, um das Tagebuch doch noch zu öffnen und endlich herauszufinden, warum sich sein bester Freund in den zwei Jahren vor seinem Tod so merkwürdig benommen hatte. Klaas war sich sicher, dass die Erklärung dafür in diesem, in Leder gebundenen, Buch stand. Aber er hatte es nie getan und würde nun vielleicht auch keine Gelegenheit mehr dazu bekommen. Er sah zur Tür, die sich gerade geöffnet hatte, und umfasste die Schlüssel fester. Die Frau trat zuerst ein, der Mann hielt ihr die Tür auf. Als beide im Schankraum standen, sahen sie sich neugierig um. Klaas betrachtete sie eingehend. Die blonden Haare der Frau waren zerstrubbelt, ihre ausdrucksstarken Augen waren sogar hier drin, im Dämmerlicht, von einem intensiven Blau. Ihre Lippen waren voll und geschwungen, ihre Nase schmal und gerade. Eine gut aussehende Frau. Der Mann hatte kurzes, gewelltes, braunes Haar, dunkle Augen und das, was man üblicherweise ein markantes Kinn nannte. Sie gaben ein schönes Paar ab. Klaas räusperte sich.

Ihr wollt das alte Haus besichtigen, nicht wahr?“, fragte er, bevor noch einer der beiden den Mund öffnen konnte, und lehnte sich über den Tresen.

Mann und Frau starrten ihn verblüfft an und nickten zögernd.

Warum?“, wollte Klaas wissen.

Es ist alt, renovierungsbedürftig und am Arsch der Welt. Warum wollt ihr jungen Leute hierher ziehen?“

Die Frau stemmte die Hände in die Hüften und schüttelte leicht den Kopf.

Sie sind ja ein Top Verkäufer“, sagte sie.

Kein Wunder, dass die Kneipe hier leer ist.“

Sie ist leer, weil ich gerade erst aufgemacht habe“, erwiderte Klaas, „und Ihr habt meine Frage nicht beantwortet.“

 

News

Hier gibt es die Zunkunft...

 

Die 2. Auflage des Buches ist fertig und über Amazon zu kaufen .

 

Am Samstag, 17.11.18 gibt es neue Fotos und Textauszüge!

 

Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

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Die Aussenseiter und das Buch der Schatten

 

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