Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Seite 2 - Kapitel 1

Eve hatte es sich inzwischen bequem gemacht. Sie hatte die Strandlatschen ausgezogen, damit sie die Füße auf den Sitz stellen konnte und ihre Rückenlehne war so weit zurückgestellt, dass sie fast lag. Als er sie ansah, sagte sie mit einem triumphierenden Unterton in der Stimme: „Du spürst es auch, nicht wahr? Es ist, als würden wir hierher gehören. Und mal ganz ehrlich: Wie oft gehen wir in Hamburg aus, obwohl wir mitten in der Stadt wohnen?“

„Unsere Freunde werden es sich zweimal überlegen, ob sie uns besuchen kommen“, sagte Bernd halbherzig und steckte den Schlüssel ins Zündschloss.

„Wir richten ein Gästezimmer ein und veranstalten Partys an den Wochenenden“, konterte Eve gut gelaunt.

„Deine Agentin wird Dich hassen, wenn sie jedes Mal hier raus fahren muss, um sich Deine neusten Arbeiten anzusehen“, meinte Bernd, ließ den Wagen an und wendete ihn, um in den Ortskern zurückzufahren.

„Sie wird mich lieben, weil ich hier bestimmt doppelt so kreativ sein werde“, gab Eve lachend zurück.

„ICH werde dich hassen“, sagte Bernd.

„Weil ich täglich zwei Stunden auf der Autobahn verbringen werde.“

„Was etwa eine halbe Stunde länger ist, als jetzt“, erwiderte Eve ungerührt und kurbelte das Fenster herunter.

Sie strich sich die halblangen, stufig geschnittenen, blonden Haare aus dem gebräunten Gesicht. Bernd warf ihr einen kurzen Blick zu. Eve platzte fast vor Aufregung. Er kannte diesen Zustand nur zu gut. So war sie immer, wenn sich eine Idee in ihrem Kopf festgesetzt hatte und sie ein neues Projekt begann. Jedes Bild, jede Collage und jede Skulptur versetzte sie in einen Zustand höchster Kreativität und Konzentration. Ihr ganzer Körper schien dann wie zum Sprung gespannt und förmlich vor Energie zu vibrieren. Ihre Augen strahlten in einem noch intensiveren Blau und sie war durch nichts von ihrem Projekt abzubringen, geschweige denn in der Lage still zu sitzen. Auch jetzt zappelte sie unruhig auf dem Beifahrersitz herum, wodurch sich ihr Top nach oben schob und einen Blick auf ihren Bauch freigab. Bernds Blick verweilte einen Augenblick, dann lächelte er und sah wieder auf die Straße. Eve sagte zwar ständig, sie sei zu dick, unternahm aber nie wirklich etwas, um dies zu ändern. Sie konnte hervorragend kochen und backen und aß für ihr Leben gerne, was natürlich seine Spuren hinterließ. Trotzdem war sie nicht dick. Sie war ... weiblich. Ja, das war das richtige Wort und was ihn betraf: Er liebte ihre Rundungen. Bernd sah Eve noch einmal an und bemerkte, dass sie seinen Blick bemerkt und falsch gedeutet hatte, denn sie kaute auf ihrer Unterlippe, wie ein schuldbewusstes Kind.

„Ich weiß“, sagte sie jetzt kleinlaut, „zwei Tage Dauerschlemmen war keine gute Idee. Und bauchfrei bedeutet auch nicht, dass der Bauch über die Hose hängt, aber diese rote Grütze mit Vanille Soße und die Waffeln mit dem Vanilleeis und den heißen Kirschen ...“

Sie zog ihr Top herunter und verschränkte die Arme über ihrem Bauch. Bernd lachte.

„Wem sagst du das“, meinte er und klopfte sich auf den seinen, der einem Waschbrett in etwa so ähnlich war, wie eine Gummiente.

Da er selbst gerne aß, konnte er Eve gut verstehen. Gott sei Dank hatten sie beide eine eiserne Regel. Sobald ihre Hosen zu eng wurden, ergriffen sie Gegenmaßnahmen. Neu einkleiden taten sie sich, ihrer Naschlust zuliebe, nicht. Bernd betrachtete die Häuser, an denen sie vorbei fuhren. Nun, wo sie sich der Dorfmitte näherten, standen sie wieder dichter. Und obwohl sie alle liebevoll renoviert und restauriert waren, hatte keins von ihnen die gleiche Wirkung auf ihn, wie die Bruchbude, die sie gleich besichtigen würden. Das alte Haus hatte etwas von einem Zuhause.

 

Eve betrachtete verstohlen ihren Bauch. Obwohl sie nach außen hin demonstrierte, dass es ihr egal war, dass sie in keine Kleidergröße 38 passte und sie des Öfteren Komplimente wegen ihres Aussehens bekam, wünschte sie sich doch insgeheim, zehn Kilo weniger zu wiegen. Leider blieb es nur beim Wünschen. Wenn nicht irgendwann eine gute Fee mit einem Zauberstab vorbei kam, würde sie ihre Figur wohl behalten und sich weiter ab und zu fragen, ob es Bernd wirklich nicht störte, dass sie keine Modellmaße hatte. Eins stand für sie allerdings fest: Für ihre Hochzeit würde sie sich noch einmal dem Diätwahn unterwerfen und so viel abnehmen, wie möglich. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass er sie gefragt und sie ja gesagt hatte. Sie hatte nie heiraten wollen und Bernd auch nicht. Sie sah zu ihm hinüber. Bernd wandte den Kopf und lächelte ihr zu. Eve erwiderte das Lächeln und musterte ihn eingehend. Er sah gut aus, mit seinen braunen Haaren, die sich, wenn man es ihnen erlaubte zu lang zu werden, zu widerspenstigen Locken kringelten. Er war nie ein Fitnessstudio Typ gewesen, doch er war schlank. Auch, wenn sich in den fünf Jahren, die sie zusammen waren, ein paar Kilos angesammelt hatten. Er überragte sie um Haupteslänge, was ihr erlaubte, ihre geliebten hohen Schuhe anzuziehen, aber war nicht so groß, dass er sie einschüchterte. Bis heute wusste sie nicht, warum sie sich bei sehr großen, massiven Männer unbehaglich fühlte. Sie zuckte mit den Schultern und konzentrierte sich wieder auf die Gegend. Sie hatten die Dorfkneipe gerade erreicht. Bernd parkte davor und stellte den Motor ab.

„Bist Du sicher?“, fragte er und Eve nickte.

„Vollkommen, Du nicht?“

Sie sah ihn an.

„Doch und das beunruhigt mich“, erwiderte er und öffnete die Tür.

News

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Der zweite Teil der Aussenseiter Saga nimmt Formen an.

Soviel sei vorweg verraten:

Dieses Mal bekommen Christina, Jo und Noah es zwar mit einem wütenden Poltergeist und einem schwarzen Engel zu tun, doch der wahre Feind lauert im Verborgenen

 

Keine Ahnung, wer die Aussenseiter sind?

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