Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Kapitel 1: Tennis und andere Probleme

Ich schickte ein kleines Dankgebet an denjenigen, der Kleines Wege mit den meinen verknüpft hatte. Kurz nachdem wir hierhergezogen waren, hatte sie maunzend vor der Haustür gesessen. Ein Fellball, erst ein paar Wochen alt, und es war unmöglich gewesen, sie nicht sofort zu lieben. Meine Mutter hatte mir erlaubt sie zu behalten, damit ich nach der Scheidung und dem Umzug in diese Stadt nicht so alleine war.

Ich zog die Schuhe aus, stopfte sie in den Schuhschrank und ging durch den Flur zu meinem Zimmer. Die Tür war nur angelehnt und obwohl das Schutzamulett, das um meinen Hals hing, nicht warm wurde, zog ich es unter meinem Pullover hervor, um einen Blick darauf zu werfen. Prima, es leuchtete nicht. Es war also wirklich alles in Ordnung. Während ich das Amulett zurück unter meinen Pullover gleiten ließ, fiel mein Blick auf die Innenfläche meiner rechten Hand. Eine glänzende runde Narbe, etwa so groß wie ein Tischtennisball, prangte dort. Sie stammte von dem dämonischen Samenkorn, das ich auf dem Friedhof versehentlich ohne Handschuhe berührt hatte. Inzwischen war sie zwar verheilt, doch es hatte lange gedauert, bis es soweit gewesen war. Magische Narben entzogen sich anscheinend der modernen medizinischen Erkenntnisse.

Ich hatte mir gerade ein Brot mit Leberwurst gemacht, als mein Handy klingelte. Es war Jo.
»Hallo Fremder«, sagte ich, hievte mich auf unsere Kücheninsel und biss in mein Brot.
Jo ignorierte meinen Gruß und sagte aufgeregt: »Vulkanchen, du glaubst nicht, was gerade passiert ist!«
Ich verzog das Gesicht. Jos Spitzname für mich resultierte aus seinem unerschütterlichen Glauben daran, dass in mir ein Vulkan schlummerte und obwohl ich mich inzwischen daran gewöhnt hatte, fand ich ihn immer noch nicht berauschend.
Bevor ich dazu kam, etwas zu sagen, sprach Jo bereits weiter: »Als ich vorhin mit meiner Mutter in der Stadt gewesen bin, haben wir Pater Daniel getroffen. Er hat mich begrüßt und dann nach dir und Noah gefragt. Als ich ihm sagte, dass ich immer noch Hausarrest hätte, hat er es mit ein paar gut gewählten Worten geschafft, meine Mutter davon zu überzeugen, dass sozialer Einsatz viel besser ist, als Hausarrest. Und dann hat er nebenbei fallen lassen, dass eine Bekannte von ihm dringend jemanden bräuchte, der ihr hilft Bücher zu katalogisieren. Rate mal, wer diese Bekannte ist! Vulkanchen, ich bin fast frei! Der Hausarrest ist für die beiden Tage aufgehoben, an denen ich Mathilde helfe, ihre Bücher zu ordnen. Jetzt musst du dich nur noch im Tennisclub anmelden und wir können wieder loslegen.«
Ich lächelte. Pater Daniel wusste nicht nur, dass ich eine Wächterin war, sondern hatte uns auch schon mehrfach geholfen. Und Mathilde? Mein Lächeln wurde noch breiter und ein warmes Gefühl breitete sich in mir aus.
Mathilde war eine Freundin von Pater Daniel, das war richtig, allerdings war sie auch so viel mehr. Sie war die Hüterin des Wissens, und bis jetzt hatte noch jede Wächterin der Stadt den Weg zu ihr gefunden. So auch ich. In ihrem Buchladen, in einem Turm, der innen höher war als außen, befand sich der Raum der Bücher. Seine Wände waren mit gefüllten Bücherregalen bedeckt, die bis fast unter die Decke reichten, und es gab dort einen magischen Karteikasten, der mit Hilfe von Querverweisen zu den Büchern jede Frage beantwortete, die eine Wächterin oder ihre Helfer haben konnten. Plötzlich hatte ich den dringenden Wunsch, das alles wiederzusehen. Wir waren viel zu lange nicht mehr dort gewesen.
»Vulkanchen?« Jos Stimme holte mich zurück in die Wirklichkeit.
 »Ich habe mich schon angemeldet, direkt nach der Schule«, sagte ich endlich und fuhr fort, bevor Jo etwas erwidern konnte: »Und ich frage mich, ob du Pater Daniel auch dann begegnet wärst, wenn ich es nicht getan hätte.«
»Du meinst, es geht wieder los?«, fragte Jo und ich konnte sowohl Aufregung als auch Unbehagen in seiner Stimme hören.
»Nichts passiert zufällig«, erinnerte ich ihn. »Ich glaube, durch meinen Entschluss weiterzumachen, habe ich alles wieder in Schwung gebracht. Wenn ich nämlich ganz ehrlich bin, war ein Grund für meine Weigerung, mich im Tennisclub anzumelden, dass ich mich so keinem weiteren Wesen stellen musste. Der Hausarrest hat es verhindert.«
>Hört, hört!<, ließ sich die Wächterin vernehmen, doch ich ignorierte sie und sprach weiter: »Es ist wie Domino spielen. Der erste Stein bringt alles ins Rollen.«
»Und da ist sie wieder, die Gänsehaut der Vorahnung, die ich so vermisst habe«, sagte Jo und seufzte dramatisch.
Ich musste lachen.
»Ich werde mal Noah anrufen und ihm mitteilen, dass morgen der Buchladen auf dem Programm steht, nur für den Fall, dass er was anderes vorhat«, sagte ich dann.
»Ach komm, Vulkanchen, was soll Noah schon vorhaben?«, erkundigte sich Jo. »Der wird begeistert sein, dass endlich wieder etwas Interessantes ansteht!«
Ich war mir da nicht so sicher. Im Gegensatz zu mir, die mit einer dicken Brille und fest betonierter Zahnspange gestraft war, sah Noah hervorragend aus, und im Gegensatz zu Jo, der durch seine Behinderung keinen Sport treiben konnte, war Noah fit wie ein Turnschuh. Er hatte sich für die Fußballmannschaft der Schule qualifiziert, was Jo entweder vergessen oder verdrängt hatte, und es war somit durchaus möglich, dass er bereits etwas vorhatte. Zumal Sylvia nicht lockerließ und immer wieder versuchte, ihn von uns wegzulotsen.
Auch wenn Noah versichert hatte, dass er nicht im Geringsten daran interessiert war, zum Fan Club von Sylvia überzulaufen, verspürte ich einen leisen Stich bei dem Gedanken, dass es ihr irgendwann vielleicht doch noch gelingen könnte, ihn in ihre Fänge zu bekommen. Das alles sagte ich Jo allerdings nicht, sondern fragte stattdessen: »Wann sollst du im Buchladen sein?«
»Gegen vierzehn Uhr«, sagte Jo. »Meine Mutter fährt mich nach dem Mittagessen hin.«
»OK«, sagte ich, »ich sage Noah Bescheid. Wir sehen uns morgen in der Schule.«
Jo verabschiedete sich und wir legten auf. Auch wenn es schien, als ob wieder Gefahr im Verzug war, hatte sich meine Laune deutlich gebessert.

 

News

Hier gibt es die Zunkunft

 

Es wird wieder jeden ersten Sonntag im Monat neue Fotos von Mallorca geben.

Sorry, Sommerpause bis zum 08.09.!!

Sonst gibt es in den nächsten zwei Monaten nur Fotos vom Meer, Meer und noch mehr Meer :-). 

 

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Am 26.07.19 gibt es einen neuen  Textschnipsel aus dem zweiten Buch der Aussenseiter Reihe!

 

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Die Aussenseiter und die Rache des Poltergeists

 

Die Aussenseiter und das Buch der Schatten

 

 

 

 

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