Nicole Fünfstück schreibt
Nicole Fünfstück schreibt

Kapitel 1: Tennis und andere Probleme

 

"Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden aus seinem Gefängnis und wird ausziehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde, Gog und Magog, und sie zum Kampf zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand am Meer.“ 
Neues Testament, Johannes Offenbarung 20.7 ff

 


Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 

 

 

Als ich nach Hause kam und in die Wohnung trat, beschlug meine Brille dermaßen, dass ich sie abnehmen musste, damit ich etwas sehen konnte. Ein Grund mehr, den Winter zu hassen. Kälte war überhaupt nicht mein Ding. Ebenso wenig wie heftige Wärme, wenn ich es mir richtig überlegte. Ich war kein Mensch für Extreme, sondern eigentlich eher der mittelmäßige, laue, langweilige Typ. Eigentlich.
Ich legte die Brille auf unseren zitronengelben Schuhschrank und wehrte Kleine, meine Katze, ab, die mich überschwänglich begrüßte, was mich vermuten ließ, dass meine Mutter nicht zuhause war. Seit ich wusste, dass es Dinge gab, die sich durch geschlossene Fenster, Türen und Wände nicht aufhalten ließen, war ich zwar nicht gerne alleine in der Wohnung, doch heute war es mir sogar recht. Ich hatte keine Lust, Rede und Antwort zu stehen. Außerdem gewöhnte man sich an alles.
Meine Mutter war vermutlich noch im Museum. In ein paar Tagen sollten die magischen Artefakte ausgestellt werden, die man nach dem Abriss des Thorstensen Hauses, in dessen Kellerräumen gefunden hatte. Gleichwohl meine Mutter es inzwischen so einrichtete, dass sie abends rechtzeitig zu Hause war, um zu kochen, war ich mir da heute nicht so sicher. Je näher die Eröffnung der Ausstellung rückte, desto nervöser wurde meine Mutter. Obwohl nur klein, war es doch die erste Ausstellung, die sie organisierte, seit wir hierher gezogen waren.
 Einige persönliche Besitztümer von Cecile von Kastanienburg, geborene Schönbrunn, die der Altgraf von Kastanienburg kurz vor seinem Tod dem Museum gestiftet hatte, würden ebenfalls ausgestellt werden. Da das Thorstensen Haus früher im Besitz der von Kastanienburgs gewesen war, fand meine Mutter, dass dadurch alles prima zusammenpasste. Was vollkommen richtig war, denn auch die magischen Artefakte hatten Cecile gehört. Das wusste meine Mutter allerdings nicht.
Cecile von Kastanienburg war die erste Wächterin unserer Stadt gewesen, mit einem besonderen Gen geboren, welches es ermöglichte, dunkle Wesen aufzuspüren und zu bekämpfen. Allerdings hatte Cecile es vermasselt. Bei dem Versuch, ihre Fähigkeiten zum eigenen Vorteil zu nutzen, hatte sie ungewollt einen Dämon erschaffen, und obwohl sie ihn am Ende zumindest hatte bannen können, war ihr der Wächterinnenstatus aberkannt worden. Ihr und all ihren Nachkommen. Und hier komme ich ins Spiel.
Meine Urgroßmutter Carmen, ebenfalls eine Wächterin, war mit ihrem Mann lange nach Ceciles Degradierung in diese Stadt gezogen. Sie gründeten nicht nur unsere Familie, sondern Uroma Carmen vererbte mir auch das Gen der Wächter.
Ich zog meine Handschuhe aus, stopfte sie in meine Jackentasche und bückte mich, um Kleine endlich ausgiebig zu streicheln, was mich heute zwar nicht in bessere Laune versetzen konnte, aber zumindest tauten dabei meine Finger wieder auf. Die Katze lag inzwischen auf dem Rücken und schnurrte laut und wie immer entlockte sie mir damit ein Lächeln.
Nach einer Weile erhob ich mich und ging hinüber zum Wandschrank, um meine Jacke aufzuhängen. Als ich ihn öffnete, stieg mir ein leichter Weihrauchduft in die Nase. Wahrscheinlich hatte meine Mutter etwas gesucht und dabei die Kiste mit der Weihnachtsdeko geöffnet, die hier, bereits seit Tagen auf ihren Einsatz wartete, obwohl es bis zum ersten Advent noch eine Woche hin war.
Der Keller des Thorstensen Hauses kam mir in den Sinn. Auch hier hatte es stellenweise nach Weihrauch gerochen. Ich schauderte. Niemand außer meinen Freunden Noah Ahadi, Jo Dräxler und mir wusste, dass sich in dem Gang, der einen der Kellerräume mit dem Anwesen der von Kastanienburgs verband, ein verbotenes Tor befunden hatte, ein Nebenprodukt von Ceciles Experimenten. Nachdem Ceciles Dämon unbeabsichtigt von mir befreit worden war, hatte er Kinder ermordet und im Keller des Thorstensen Hauses zum ersten Mal versucht, auch uns umzubringen. Zum Schluss hatten wir ihn allerdings besiegt.
Um ihn zu erledigen, waren Jo, Noah und ich gezwungen gewesen, um Mitternacht auf einem Friedhof zu sein. Leider hatten wir es nicht geschafft, ihn zu vernichten, ohne dabei selbst verletzt zu werden und waren im Krankenhaus gelandet. Das war unseren Eltern natürlich nicht verborgen geblieben und so war herausgekommen, dass wir sie belogen und die Nacht nicht, wie behauptet, als Gäste bei Sylvia von Kastanienburg verbracht hatten.
Ich verstand bis heute nicht, wie sie überhaupt hatten glauben können, dass Sylvia uns wie ihresgleichen behandelte, aber das lag wohl daran, dass sie Sylvia nicht kannten. Jedenfalls hatten unsere Eltern, die natürlich nichts von dem wahren Grund unserer „Friedhofsmutprobe“ wussten, uns daraufhin mit einem sehr ausgedehnten Hausarrest bedacht.

News

Hier gibt es die Zunkunft

 

Es wird wieder jeden zweiten Sonntag im Monat unter "12 Monate Mallorca" neue Fotos geben.

Die nächsten am 10.010.19

 

 

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Am 15.09.19 gibt es einen neuen  Textschnipsel aus dem zweiten Buch der Aussenseiter Reihe!

 

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